intro[de]
Der Brief aus Nürnberg, der dieser im Selbstverlag erschein-
enden CD beiliegt, stapelt entgegen der gigantomanischen
Gebräuche in solchen Anschreiben ganz schön tief. Martin
Weiss bezeichnet sein Tun schlicht und einfach als
"elektronisches Musikprojekt". Das liest sich auf Papier viel zu
sehr nach Ereignislosigkeit, um auf CD dann auch wirklich
danach zu klingen. Vom ersten Takt an ist klar, dass
Hyperaktivität hier eine wichtige Rolle spielt. Tatsächlich nimmt
Weiss uns mit auf spannungsgeladene Audiospaziergänge in
Synthetikland und führt eine ganze Reihe äußerst quirliger
BewohnerInnen vor. Verbogene Sample-Finken und digitale
Schnatterbirnen z.B., die sich auf dem "Platz Der Tanzenden
Bits" zum Zirpduell verabreden. Der Albumtitel "Rephlex", ein
ziemlich eindeutiger Verweis auf das Label des Säulenheiligen
Aphex Twin, gibt einen weiteren Fingerzeig in Sachen
Herangehens weise und Attitüde. Zumindest in puncto
Soundphilosophie befindet sich Weiss annähernd auf einer
Linie mit seinem Meister. Nichts auf "Rephlex" ist bloß glatt
poliert, jeder einzelne Sound kratzt und schabt und presst,
ohne Aggression deshalb zu seinem alleinigen Existenzzweck
machen zu müssen. Die neun unbetitelt en Stücke rattern
nämlich immer mit dieser gewissen Spur melancholischer
Verschrobenheit um die Ecke. Diese Musik weiß was von der
Schönheit des Brüchigen zu erzählen.
www.intro.de/platten/heimspiel/23016213
badalchemy[de]
Dass Electronica die Fähigkeit, zu überraschen, längst verloren
hat, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Vielleicht ist das aber
auch nur ein weiteres Indiz dafür, dass die Fähigkeit, sich
überraschen zu lassen, an eine erschreckend kurze
Halbwertzeit gebunden ist. Letztlich entspricht eine subtile,
hintergründige Anwesenheit aber auch besser dem Charakter
einer auralen Ästhetik, die auf Atmosphäre, nicht auf Situation,
auf Ambiente, nicht auf Spektakel, auf Chill Out, nicht auf Action
ausgerichtet ist. Martin Weiss aus Nürnberg beherrscht die
Kunst kleiner Differenzen perfekt, nicht als reduktionistisches,
mikrotonales Clicks+Cuts-Extrem a là Raster Noton, dafür als
als pulsierendes Mäandern nahezu melodiöser Laufbänder.
Die zerstanzen den Hörraum mit tuckernder, krätziger Motorik,
eingehüllt in zischelnde, bitzelnde, knisternde ‚Störungen‘, in
denen manchmal zerschrotete ‚Stimmen‘ als irritierende
Einsprengsel enthalten zu sein scheinen. Track 08 mit seinem
akkordeonähnlichen Singsangswing und zwitschernden
Melodieschnörkeln ist der effektvollste Ohrenzwicker. Aber die
insgesamt 9 variantenreich ausdifferenzierten, komplex
synchronisierten ‚Mehrspurtonbänder‘ dringen allesamt von
hinten ins Bewusstsein, als merkuriale Verführer, die
unaufgeregt und mit einigem Charme für ein Etwas mit der
Vorsilbe Poly werben, das unter den glatten Oberflächen
pulsiert.
www.badalchemy.de/download/badalchemy_49.pdf
sellfish[de]
Weiss a.k.a. Martin Weiss kommt aus Nürnberg und seine
einzige vorliegende Veröffentlichung ist mit nichts weiter als
einem "c+p 2007" Hinweis versehen. Dieses brillante Stück
Musik ist mittlerweile seit drei Jahren verfügbar. Erst im letzten
nahm sellfish.de bzw. unser direktes Umfeld von diesem
Highlight aus der direkten Nachbarschaft Notiz. Nun wird
„Rephlex“ (Electroton) endlich mit Labelunterstützung wieder
veröffentlicht. Dennoch, einfach macht es Weiss einem nicht:
Ein richtiges Info gibt es gar nicht erst, das Artwork bleibt
ebenso stilvoll wie schlicht. Ein kleiner Aufkleber mit den
Spielzeiten ist alles, von was die rote CD begleitet wird. Und
auch die Homepage hüllt sich über Hintergründe zu Musik oder
Protagonisten in Schweigen. Bleibt als Anhaltspunkt nur der
Albumtitel, welcher seinen Namen ja synonym zum Label von
Aphex Twin trägt. Ein wichtiger Hinweis. Denn, was sich hier
zwischen alle Gitarrenmusik auf diese Seiten drängt, ist etwas
ganz besonderes. Hinter mit Bedacht zusammen gefrickelten
Sounds und Effekten, Beats und Geräuschen lässt sich immer
ein faszinierender Rhythmus finden. Es gibt unzählige
Feinheiten zu entdecken, weshalb der Genuss dieser halben
Stunde mit einem Kopfhörer nochmal mehr lohnt. Schade, dass
sich Weiss derart in Schweigen über die Umstände seiner
Musik hüllt. Doch auch wenn die Tracks keinen Namen tragen,
kann der atmosphärische vierte Song mit seiner subtilen, immer
wieder gebrochenen Melodielinie dennoch außerhalb des
konzeptionellen Ansatzes als Anspieltipp hervorgehoben
werden. Abschließend darf gesagt werden: Auch ohne
Heimvorteil wurde hier etwas geschaffen, was sich mit
Bravour und auf sehr sehr eigenständige Weise zwischen
Console und und Aphex Twin positionieren kann.
Großartig und definitiv eine Entdeckung wert!
www.sellfish.de/466.3528.0.0.1.0.phtml
keyboards[de]
Martin Weiss debütiert im Eigenverlag mit einer halbstündigen
Zusammenstellung von neun, durchweg inspirierten
Click`n`Cuts-Miniaturen. Er gibt seinen Tracks keine Namen,
sondern nutzt den bewährten Code aus Track-ID und Länge,
was zu herrlich spröden Konstrukten wie "05.03.41.07" führt.
So karg wie bei der Namensfindung geht es auch auf seiner
Website zu: Weder erfährt man hier etwas über seine Vita,
noch über seinen musikalischen Hintergrund - allein die
angebotenen Downloads zu der Programmiersprache Pure-
Data verraten, womit er seine Stücke generiert. Schade, denn
die Ergebnisse seiner Klangexperimente sind durchaus
beachtenswert und verdienen einen berechtigten Platz neben
einigen der besseren Mille-Plateaux-Releases. Vor dem
Hintergrund, dass Pure-Data ähnlich wie MAX/MSP eine sehr
technische Arbeitsweise verlangt, wirken die Tracks
weitgehend durcharrangiert und klickern erstaunlich funky aus
den Lautsprechern.
www.keyboards.de
kommerz[ch]
Die Erste Veröffentlichung auf dem frischen Nürnberger
Electroton ist Martin Weiss` Stückelwerk "Rephlex". Darauf
kreiert er einen elektronischen Sound, der von
Zerschiessungen, Rissen und Abspaltungen lebt. Dennoch
gelingen ihm beschwingte Patterns, die von somnambulen
Harmonien begleitet werden. "Rephlex" erinnert an viele
Sachen, die man tagtäglich von Netlabels serviert bekommt,
doch Weiss` Interpretation von elektronischer Musik wirkt
komplex und brüchig, bleibt aber trotzdem zugänglich, und das
muss man auch erst mal hinkriegen.
http://www.kommerz.ch/reviews.php?id=430
neural[it]
Glitchy and deeply cut atmospheres, densely articulated among
synthesized sounds and data-centered programming. Threads
that obliquely reflect the influences of a certain kind of minimal-
techno dance, keeping strong non-mainstream attitudes and a
conceptual approach, with clear goals that make this a very
coherent project, although not completely new. It doesn't go
hand in hand with digital pop, on the contrary, it sounds like a
true infatuation for the experimental sides, close to club sounds
for its deep structures, with a unity which is the result of the
extremization of the cult of minimalism (historical avant-gardes)
associated with (according to clearly postmodern schemes) to
the new 'cyberglam' of the most recent disco aesthetics. This
new German label underlines again the confluence of
inspirations in the slim and sharp structures and in the stylized
sounds and their refinement: an approach that, evidently, hasn't
completely exhausted its potential.
www.neural.it/sound/2008/01/weisse_rephlex.phtml
ultrasonica[it]
Primordiali frammenti sonori ricalcolati dal computer per mezzo
di software criptici, all'avanguardia, talmente ostici nell'utilizzo
che qualsiasi cosa ne possa uscire sarà sicuramente piacevole
per l'orecchio malato che nient'altro aspetta che la sua dose di
glitch quotidiana. Melodie ingabbiate che spingono per uscire e
si tagliano a fettine rimescolandosi e ricomponendosi in un
continuo crescendo 'pulviscolare' quasi come se sotto l'ago di
un grammofono di vetro ci sia uno strato invisibile di ruggine
spaziale. Weisse.Rephlex su Electroton records è il battesimo
discografico dell'etichetta, nove tracce senza titolo, solo numeri
che sigillano l'essenza di un glitch talvolta fastidioso e
subdolamente ripetitivo tanto da divenire piacere puro... ma solo
per gli amanti del genere!
http://www.ultrasonica.it/site/modules/recensioni.....
rarefrequency[us]
Nuremberg`s Martin Weiss makes the kind of burbling
electronics that recalls the glitchy melodicism of microstoria,
where Oval`s Markus Popp met Mouse On Mars` Jan St.
Werner. All the hallmarks are there: the soft padding of skipping
CDs, the subtly subverted krautrockian grooves, the fractured,
but very-much-there song structures. And, for my money, this
is a good thing. On this debut CD on his own Electroton label,
Weiss gives a vigorous, well-aimed nod to classic Cologne
quirks `n´ cuts that, while not radical or groundbreaking, is still
unabashedly enjoyable. Don´t let the cool, minimalist packaging
and time-track song titles fool you, Weiss is trafficking in a
decidedly warm and quirky variant of post-techno digitalia.
www.rarefrequency.com/2008/02/weissrephlex_el.html
signaltonoise[us]
Bafflingly, even further maligned is the clicks `n´ cuts genre, to
these ears an area still rife for exploration. Raster-Noton is
apparently the lone ranger twisting basic integers into knottily
percolating shapes, so thank the stars for the mysterious
Weiss, whose Rephlex (Electroton) picks up the baton where
Mille Plateaux`s skippers last left off. Opacity begins and ends
with the disc`s concise plastic housing; Weiss clearly worships
his progenitors, but this isn`t clinical pastiche or slavering
mimicry. Softer, more round than Oval, digital widgets exact
pleasingly throbbing contours, like acid rain splattering on a hot
griddle, Weiss miraculously washing the residual clicktechno
appliances in warm, sudsy water. Track titles merely reflect
length, so the passive listener is free to invent his own literary
analog-quite an irrelevant exercise really, for with Markus Popp
taking a powder and Mille Plateaux long self-destructed, we`re
left with Weiss`s delicious audiomulch, glitch-rich and spam
free. Count your blessings.
www.signaltonoisemagazine.org
gaffa[dk]
Der er for få vildskud på ferm og let uselvstændig tysk
electronica-debut.
Den eksperimenterende elektroniske musik har efterhånden
fundet sit ret faste formsprog, og den glitchede og let støjende
musik, der præger Weiss' cd-debut Rephlex er ingen
undtagelse. Det er med en afgrundsdyb respekt for kunstnere
som To Rococo Rot, Alva Noto og Frank Bretschneider at Weiss
klipper, blipper og digitalt overstyrer sig gennem pladens ni
meget kompetent sammenskruede numre. Der er faktisk ikke en
finger at sætte på Weiss' kompositioner, og det er lige det, der
er problemet. Man sidder som lytter og leder efter poesien, den
menneskelige faktor, melodiøsiteten eller bare noget, der bryder
med de rytmiske strukturer, som er så perfekte, at det lyder helt
rigtigt, også når Weiss lader strukturerne bryde sammen. Alt i
alt er der dog meget at hente på Rephlex. Den opklippede og
meget tysk klingende electronica formår nemlig at underholde
og groove, der, hvor den ikke formår at forny.
gaffa.dk/anmeldelser/view.php/mreview_id=34948
vitalweekly[nl]
A new label from Germany is Electroton and they call
themselves 'Klangarchiv' (sound archive) and the name and the
addition, in combination with packaging reminded me of the first
Raster music (archiv for ton und noton, remember) releases
(Goem, Behrens, Cascone etc). A similar transparant, soft
plastic box, with a transparant sticker. It's not where similarities
end however. Also music wise, Weiss (which means white,
but it's also the name of owner, and first artist on the label)
knows his classics it seems, which are in the same area.
Exploring 'computers, synthesis and the programming language
pure-date', Weiss presents his own click and cuts. Harsh, but
rhythmic noise that refers to techno, but it would be hard to see
any feet move to this lot. Head nod music this is. Nine tracks in
total, with minimal variations, both inside the pieces as well as
among the pieces it self, but it's short enough not to trap the
hole of repeating himself. So, as a debut it's certainly not a bad
CD, but it stays close to the originals of say Alva Noto or a more
pop oriented version of Ikeda (Ryoji that is) and not the
promised label statement of 'innovative, non-mainstream-
oriented music'. Maybe Electroton should try and sign Hecker
(reviewed elsewhere) to sign innovation.
www.vitalweekly.net/604.html